Denice Brooks: Legendäre Sängerin aus Texas kommt nach Berlin zurück

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Im George Orwell-Jahr klingelte Denice Brooks’ Telefon, das mit einem Kabel mit dem Netz verbunden war. Es war ihr Bruder Jason, der aus Deutschland anrief. Seine Nachricht: Sie müsse unbedingt nach West-Berlin kommen.

Im Jahr 1984 war Helmut Kohl bereits zwei Jahre lang Bundeskanzler. Die Ministerpräsidenten der zehn Bundesländer West-Deutschlands beschlossen, die ersten privaten Fernsehsender zuzulassen. Es war auch das Jahr in dem die Soulsängerin Denice Brooks nach Deutschland kam.

In West-Berlin gab es an der Ecke Kurfürstendamm und Joachimsthaler Straße einen zumeist vollgerauchten Club. “Joe am Kudamm” war in der Szene zwar als Touristen-Laden verschrien, aber auch für hervorragende Konzerte bekannt. Denice Brooks aus Austin (Texas) trug mit den Darbietungen ihrer Band dazu bei.

Stimme und Show

Ihr erstes Konzert auf deutschem Boden fand allerdings andernorts statt, nämlich im Quasimodo, einer der “Real Music”-Oasen im Land. Denice Brooks füllte aber auch andere Veranstaltungsorte, darunter die Große Freiheit 36 auf dem Hamburger Kiez. Regelmäßig tanzten 2000 Leute zu ihren energiegeladenen Funk-Nummern. Das Publikum liebte aber auch ihre Deep Soul-Balladen. All dies galt sowohl in West-Berlin und Hamburg, als auch bei ihren Konzerten in anderen Ecken Deutschlands, in Frankreich und Spanien.

Denice Brooks’ Vorstellungen waren sprichwörtlich atemberaubend, wie der Autor dieser Zeilen zu berichten weiß, denn er war regelmäßig Teil des Hamburger Publikums. Ja, es war ihre faszinierende Soul-Stimme, mit der sie ihre Fans verzauberte. Auch ihre starke Bühnenpräsenz und der Show-Aspekt überzeugten. Ihr inzwischen verstorbener Bruder Jason Brooks, ein begnadeter Tänzer, sorgte mit dafür, dass sich das Publikum konstant in einem extasischen Zustand befand. Er war derjenige, der Denice nach West-Deutschland holte.

Guter Moment

Anfang 1984 war Jason Brooks in der U.S. Army, die ihn in West-Berlin stationierte. Er rief Denice in New York an und sagte ihr sie müsse ‘rüberkommen. “Als es kein Konzert für mich gab, wusste ich ehrlich gesagt nicht, wo mein nächstes Abendessen herkommen sollte”, sagt sie heute. “Also dachte ich hmmm, dies könnte ein guter Moment sein, nach Deutschland zu fliegen.” Diese Annahme sollte sich als richtig herausstellen.

“Als ich nach Berlin kam, stand die Mauer noch. Ich weiß nicht, wie sich die Stadt heute anfühlt, aber erinnere mich daran, dass die Kultur sehr hip war, und sehr musikalisch. Die Leute waren freundlich und liebten meine Konzerte.” Was ursprünglich ein Kurzbesuch sein sollte, wurde zu einem 14-jährigen Aufenthalt. Die Konzerte waren wichtig, aber es gab auch ein Leben jenseits der Bühne. “Ich fahre gern Fahrrad”, sagt Denice Brooks. “Jason und ich setzten uns an konzertlosen Wochenenden auf die Räder und fuhren ohne Ziel los. Wir radelten stundenlang durch die Gegend. Als die Mauer nicht mehr stand, landeten wir manchmal in niedlichen, brandenburgischen Dörfern.”

Berliner Küche

Denice Brooks sorgte nicht nur mit ihrer Band für ein glückliches Publikum, sondern auch in Musical-Produktionen, an denen sie teilnahm. Mit anderen Künstlerinnen und Künstlern, darunter Dr. Alban und Jennifer Rush, tourte sie durch Europa und nach Afrika. Niemand geringerer als Prince gab ihr die Erlaubnis, seinen Song “Purple Rain” zu interpretieren. Ihre Version verewigte sie auf einer Maxi-Single. Als Prince nach Berlin kam, holte er Denice Brooks auf die Bühne. Während sie die dritte Strophe von “Purple Rain” sang, flippte das Publikum regelrecht aus.

Heute, 24 Jahre nachdem sie nach Texas zurückkehrte, spricht Denice Brooks weiterhin die Sprache von Goethe und Schiller: “Ich verstehe ein bisschen Deutsch, vielleicht auch viel. Es geht manchmal gut, aber es ist eine lange Zeit. Ich habe früher jeden Tag Deutsch gesprochen”, sagte sie dem Autor in einem Interview für ihre Webseite. Auch entpuppte sie sich als Fan der Berliner Küche, inklusive Currywurst.

Wählerisch und brilliant

Ihr langer Aufenthalt in Berlin, von 1984 bis 1998, war nicht ihr erster in der Bundesrepublik. Ihr Vater war ebenfalls in der U.S. Army. Als er in Bayern stationiert wurde, kam seine Familie hinterher. Mit 7 Jahren lernte Denice zum ersten Mal Deutsch in einer amerikanischen Schule in Augsburg. Später wurde sie Athletin und “Miss Black Texas”. Ihre Liebe zur Musik führte schließlich zu einer Karriere als Sängerin.

Im Spätsommer 2022 will Denice Brooks nach Berlin zurück ziehen. Sie arbeitet bereits an neuen Musik-Projekten in der deutschen Hauptstadt, obwohl sie sich noch 8000 Kilometer weit weg befindet, in Texas. “Ich will keine Geheimnisse verraten”, sagt sie, “aber ich plane, zurückzukommen und eine großartige Gruppe an Musikern zusammenzustellen, die den gleichen Vibe haben wie ich sowie den selben Grad an Liebe zur Musik und Perfektion.

“Ich bin eine dieser sehr wählerischen Sängerinnen.” Dies mag zutreffen, aber sie ist ebenso brilliant und überzeugend, sowohl mit ihrer eigenen Formation als auch als Begleitsängerin bei Kolleginnen und Kollegen. Erst vor ein paar Tagen war sie Teil einer Studio-Session mit Gloria Estefan in San Antonio. Mit ihren ersten Konzerten in Deutschland seit 24 Jahren ist im Winter zu rechnen.

Quelle: Berlin Minus

This German feature was first published by Berlin Minus.

1 Comment
  1. Cassie says

    My sista….I’m going to make sure I book my vacation to Berlin this winter or next summer. I just see you perform again. They are going to LOVE you all over again. You’ll have a new generation of fans!!

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